Ein Priesterleben im 20. Jahrhundert

Videsot Heinrich Familie
Primizfoto 1937: zwischen Eltern, Schwester und Bruder
sowie Primizprediger Josef Steger, Regens des Priesterseminars

 

1912    Geboren in Montal/St. Lorenzen bei Bruneck.

1923    Mittelschule und Studium in Brixen
            (Vermittlung durch den Kapuziner Spitalkaplan Paul Pizzinini).

1937    Priesterweihe im Dom von Brixen.

            Seelsorge in verschiedenen Pfarreien, vor allem als Pfarrer in Mittewald.

1964    35 Jahre lang in Wengen.

1999    Am 9. Dezember gottergeben verstorben.

2009    Komitee "Freunde von Pfarrer Heinrich" - Aktionsgruppe in Wengen.

2012    Anerkennung des Komitees "Freunde von Pfarrer Heinrich",
            Ernennung von Postulator und Vizepostulator durch Bischof Ivo Muser.

2014   Bischof Ivo Muser lädt ein, Berichte über Pfarrer Heinrich Videsott zu
          
sammeln und an die Bischöfliche Kurie  einzusenden.

2015   Am 2. Februar 2016 feierliche Eröffnung des Seligsprechungsprozesses
           für den Diener Gottes Heinrich Videsott.

 

 

Heinrich Videsott als Missionsfreund

Das Missionsanliegen hat er von seinem großen Vorbild Josef Freinademetz übernommen - und so tritt er heute in dessen Fußstapfen: "Verkünde die Frohe Botschaft bis an die Grenzen der Erde und bis zum Ende der Welt".

Der Diener Gottes Heinrich unterhielt immer lebhafte Beziehung zu seinem Neffen, dem St.Josefs-Missionär in Afrika Johann Kronbichler und zu seinem Neffen Dr. Josef Kronbichler, begnadeter Seelsorger in der Studenten- und Akademikerwelt und genauso in den einfachen Pfarreien Südtirols (+ 2011).

Oft hatte er Missionare aus Übersee bei sich im Pfarrhaus zu Gast, er begleite und unterstützte überhaupt viele Priester ud Missionare vor allem durch seine spirituelle Begleitung - lebensnotwendig für sie, die ihm dafür sehr dankbar waren.

 

Charakter und Tugenden


"Heroische Tugenden" werden von einem Seligen oder Heiligen der katholischen Kirche verlangt. Wer Pfarrer Heinrich kennt oder kennen lernt, wird in ihm folgende charakterlichen Vorzüge finden:


1.  Eine ausstrahlende Väterlichkeit, wie schon früher Josef Freinademetz deshalb Shènfú genannt wurde, lieber Vater. Dabei ging es bei Pfarrer Heinrich nicht nur um eine glückliche Mischung von Erbanlagen, Temperament, Entwicklung. Dieses Vaterbild stammt aus seinem Glauben, aus der tiefen Versenkung in das Geheimnis der Dreifaltigkeit in Gebet und Meditation. Gott Vater sieht sich gegenüber im Sohn, und im Atem, im Kuss der Liebe strömt Gottes Geist.

2.  Opfer bringen und Kreuz tragen in der Nachfolge Jesu. Er lebte im festen Gottvertrauen, wie es sich im Leitwort des Karthäuserordens ausdrückt:  Stat crux dum volvitur orbis (Fest steht das Kreuz, wenn auch der Erdkreis wankt). Der Wallfahrtsort „Heilig Kreuz“ (auf 2000 m Meereshöhe) an der Grenze seines Pfarrgebietes hat heute noch prägende Ausstrahlung auf alle Bewohner des Gadertales.

3.  Entschiedene Festigkeit in seinen Grundsätzen. Das übertrug sich für die Pfarrangehörigen und vor allem für die Bittsuchenden als wohltuende Sicherheit. So ging von ihm jeder getröstet weg, auch wenn seine Bitte um eine Segensgabe von Gott nicht erfüllt werden konnte.

4.  Barmherzigkeit, Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit, Menschenliebe, getreu dem bekannten Ausspruch von Josef Freinademetz: „Die Sprache der Liebe ist die einzige Sprache, die alle Menschen verstehen.“

5.  Einfachheit, franziskanische Armut, Bescheidenheit. Er war geprägt vom Kampf gegen die bedrückende Armut in der Zwischenkriegszeit und bis in die 60er-Jahre hinein. So konnte er gerade in den Jahrzehnten, da seine Heimat einen geradezu überstürzten wirtschaftlichen Aufschwung erlebte, schon durch seine bescheidene Lebensweise Richtung weisen und Sinn geben.

Segenspfarrer von Wengen

Pfarrer Heinrich Videsott war eine markante Persönlichkeit, durch hervor-stechende Tugenden geprägt. Er stand auf seinem Posten unverrückbar wie ein starker, sturmgeprüfter Baum. Manchen Leuten – nicht nur jüngeren! – konnte er in den Zeiten nach 1968 sowie nach Konzil und Synode etwas zu wenig agil und modern sein.

Trotzdem ist er durch seine tief gründende Spiritualität und seine gnadenhafte Wirksamkeit zu einem Seelsorger geworden, der seinen beiden großen Vorbildern Josef Freinademetz und Johannes Maria Vianney gleichen kann. Was er wirkte, wird nicht von wechselnden Ortswinden verweht, sondern bleibt und bringt auch noch nach seinem Tod vielfältige Frucht.