CLICK - Textgestalt und Bemerkungen zu seinen Predigten

 

Das Vaterunser des Primizianten
Primizfeier in Montal, 4. Juli 1937 - click

Heinrich Videsott 60 Jahre Priester 
29.  Juni 1997 – Feier des Jubiläums in Montal


Liebe Montaler,

wie ich schon am Anfang der heiligen Messe gesagt habe, bin ich vor 60 Jahren zum Priester geweiht worden. Vor 60 Jahren hat mich der Priesterkönig in seinen Dienst genommen, hat mich als Mittler zwischen das Volk und seinen Vater gestellt. Und der heutige Tag gibt uns die  Gelegenheit, die Frage zu stellen: „Was ist der Priester?“ Der Priester wird von Gott aus dem Volke erwählt zu seinem Dienst. Jesus sagte: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt!“ So sagte er zu seinen Aposteln. Am Gründonnerstag beim Letzten Abendmahl hat Jesus das Priestertum eingesetzt in seiner Güte, in seiner Barmherzigkeit zu den unsterblichen Seelen. Jesus hat bei diesem Mahle auch Brot in seinen heiligen Leib und Wein in sein heiliges Blut verwandelt: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird, das ist mein Blut, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“ Das war der Beginn der heiligen Messe.

Und dann sagte er zu den Aposteln: „Tut dies zu meinem Andenken! Was ich jetzt getan habe, wie ich das Brot in meinen heiligen Leib, den Wein in mein heiliges Blut verwandelt habe, so tut das immer, wenn ihr die heilige Messe feiert.“

Bei der Priesterweihe wurde der Priesterkandidat mit göttlichen Gewalten bekleidet. Der Bischofsagte zum Priesterkandidaten: „Ich übergebe dir die Vollmacht zu konsekrieren, Brot in den heiligen Leib Jesu zu wandeln, Wein in das heilige Blut zu wandeln. Ich übergebe dir auch die Vollmacht zu segnen! Durch den Segen rufst du zu Gott, kannst du die Gnaden vom Himmel herabflehen auf das, was du segnest, seien es Menschen, seien es Gegenstände, seien es Tiere!“

Wenn der Priester also am Altare steht und das heilige Messopfer feiert, dann ist er in der Mitte zwischen dir und dem allheiligen Gott. Bei der heiligen Messe ist auch die Muttergottes neben dem Priester, wie sie am Kalvarienberg neben dem Kreuz gestanden ist, Und wie am Kalvarienberg unendlich viele Engel dabei waren, die Gott lobten und priesen, so auch bei jeder heiligen Messe.

Du kannst die heilige Messe aufopfern mit dem Priester in Vereinigung mit den unendlichen Verdiensten Jesu Christi, um Gott zu loben, zu preisen, um ihm zu danken und ihn um Gnaden zu bitten und um Verzeihung deiner Sünden, um Nachlass der Sündenstrafen zu erflehen.

Erinnere dich an diese Worte Jesu Christi, wenn du bei er heiligen Messe bist. Der Priester opfert für dich, dankt für dich, bittet um Verzeihung für deine Sünden, für deine Nachlässigkeiten, um für deine Unterlassungen gute Werke zu bringen.

Schließe dich an: dem Priester, der Muttergottes, die auch neben dem Priester steht. Die Priesterkönigin, sie opfert mit dir, mit dem Priester. Du kannst keinen besseren Dank abstatten, als wenn du mit dem Priester das heilige Messopfer Gott dem Herrn als Dank darbringst.

Durch kein Gebet kannst du so viele Gnaden erflehen, wie durch das heilige Messopfer. Beim heiligen Messopfer wird dein Bitten immer erhört, denn es ist Jesus, der seinen Vater bittet, und er wird immer erhört wegen seiner Frömmigkeit, wegen seines Glaubens. Und durch nichts kannst du Gott mehr verherrlichen als durch die heilige Messe. Der Wert einer heiligen Messe ist so groß, dass tausend Welten, angefüllt mit Engeln du Heiligen, nicht ersetzen können, was eine heilige Messe, ein heiliges Messopfer vor Gottes Angesicht erhalten kann. Darum schätze, schätze die heilige Messe und gehe gerne in die Kirche. Es ist der Priester, der mit dir das heilige Messopfer feiert, zur Anbetung der Dreifaltigkeit, zum Dank für alle empfangenen Wohntaten. Du kannst deine Anliegen vorbringen und du wirst in deinen Anliegen auch erhört, du kannst Verzeihung erlangen.

Der heilige Thomas sagte – es wurde ihm von Jesus selbst geoffenbart: „Es gibt keinen noch so großen Sünder, dass er nicht bei der heiligen Messe die Gnade der Reue erhalten kann.“

Wenn du fühlst, wenn du weißt, dass du im Stande der Todsünde bist, so gehe zur heiligen Messe und flehe um die Gnade der Reue und um die Grade der Verzeihung und du wirst erhört werden.

Kirchturm Montal
Der mächtige Kirchturm von Montal, einem kleinen Dorf am Eingang ins Gadertal.
Das letzte Haus war das alte Zollhaus - Pfarrer Heinrich verbrachte dort seine Kinderzeit

 

Was der Priester tun kann, das kann niemand. Am Ostersonntag, am Abend, übergab Jesus den Aposteln die Vollmacht, Sünden nachzulassen. Er setzte das Bußsakrament ein. Jesus sprach zu den Aposteln, die im Abendmahlsaal versammelt waren: „Der Friede des Herrn sei mit euch! Wenn ihr dem Sünder verzeihet, da wird es auch im Himmel verziehen, wenn ihr dem Sünder nicht verzeihen wollt, dann wird auch im Himmel nicht verziehen.“ Von jener Stunde an, durften die Apostel den Sündern verzeihen, wie Jesus während seines öffentlichen Lebens den Sündern verziehen hat.

Ich möchte nur erinnern an die Sünderin Maria Magdalena; zu ihr sagte Jesus: „Weil du viel geliebt hast, ist dir viel verziehen, geh hin in Frieden und sündige nicht mehr!“ Dem Gelähmten, der durch das Dach zu den Füßen Jesu hinabgelassen wurde, sagte er: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergehen. Nimm dein Bett und geh nach Hause.“ Der Ehebrecherin verzieh er auch.

Die Gewalten, die der Priester bei der Priesterweihe bekommen hat, die göttlichen Gewalten, diese kann niemand ausüben, außer der Priester. Nicht einmal die Muttergottes kann die heilige Messe feiern, kann Brot in den heiligen Leib Jesu verwandeln, Wein in das heilige Blut Jesu. Sie kann auch nicht von Sünden lossprechen.

Der heilige Bernhard sagte: „Wie durch Maria Jesus und alle Gnaden zu uns gebracht wurden, so kann man auch sagen: Durch den Priester kommen uns alle Gnaden für unser Seelenheil zu.“

Je mehr du für den Priester betest, umso mehr Gnaden kann er dir austeilen. Jesus sagte: „Die Ernte ist groß, aber die Arbeiter sind wenige. Bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seinen Weinberg sende!“

Wer ist die Ernte? Die Ernte, das sind die Menschenseelen. Die Arbeiter, das sind die Priester. Der Herr der Ernte, das ist Jesus Christus. Jesus Christus lädt uns ein, für die Priester zu beten, damit sie viele Seelen retten können. Betet also, meine lieben Montaler, und alle Gläubigen, die hier sind! Betet, betet zum Priesterkönig für die Priester, für euren Seelsorger. Je mehr ihr für diesen betet, umso mehr Gnaden kann er euch austeilen. Umso andächtiger und mit tiefem Glauben kann er das heilige Messopfer feiern, kann er euch die Sakramente spenden.

Jesus hat die Apostel zu Priestern geweiht, arme Leute waren es. Als sie zum Priester geweiht wurden, hat er ihnen die Schwächen, die Unvollkommenheiten nicht genommen. Der heilige Petrus, der Apostel Petrus, hat einige Stunden nach der Priesterweihe Jesus, seinen Priesterkönig, dreimal verleugnet. So ist es auch heute noch, wenn ein junger Mann zum Priester geweiht wird, dann verliert er nicht die Unvollkommenheiten, die Schwächen, die menschlichen Schwächen. Nehmt ihn, meine Lieben, wie er ist! Helft ihm, die Schwächen, die Unvollkommen-heiten und die Fehler zu bessern, loszuwerden, kritisiert ihn nicht! Betet für ihn!

Der Priester ist die Zielscheibe Satans. Jesus sagte: „Wie sie mich verfolgt haben, so werden sie auch euch verfolgen.“ Ein Teufel, ein Dämon hat einem Exorzisten bekannt, wenn er imstande ist, einen Priester zu verderben, dann gewinnt er durch diesen Fall tausend Seelen. Darum, meine Lieben, unterstützt die Priester mit eurem Gebet! Empfehlt die Priester dem Priesterkönig Jesus, der Priesterkönigin Maria.

Der Bischof hat bei der Priesterweihe, wie ich schon gesagt habe, den Priester mit zwei Vollmachten bekleidet. Die zweite Vollmacht ist: Er darf segnen. Von dieser Gewalt zu segnen, habe ich von jenem Tage an viel Gebrauch gemacht. In meinen 60 Jahren Priesterleben habe ich viel, viel gesegnet: Kinder, Jugendliche, Väter, Mütter, Familien, Kranke, körperlich Kranke, geistig Kranke, Vieh und alles Mögliche habe ich gesegnet und jeden Abend, jeden Morgen sende ich meinen Segen, den Priestersegen hinaus zu den Seelen, für die ich zu beten verpflichtet bin, für diejenigen, denen ich versprochen habe, sie zu segnen. Und ich habe, das will ich euch auch verraten, vom Heiligen Geist noch ein Charisma erhalten, die Gabe der Heilung. Und von dieser Gabe habe ich auch reichlich Gebrauch gemacht: Oh, wie viele habe ich durch diesen Segen an Seele und Leib heilen können! Persönlich, und auch im Geiste und durch das Telefon. Und für diese Segensgabe möchte ich auch heute in diesem heiligen Messopfer recht danken.

Und ich möchte euch noch einmal recht einladen, für mich und mit mir für die vielen, vielen Gnaden, für die Vollmachten recht zu danken: zu konsekrieren, zu segnen. Und wenn ihr mir helft zu danken, werdet ihr auch belohnt von Jesus, von Maria, der Gnadenspenderin, der Allmacht auf den Knien zur Heiligung eurer Seelen, zur Heiligung eurer Familien. Amen.

 

Zitiert nach Cristina Siccardi, Pfarrer Heinrich Videsott. Ein Priester nach dem Herzen Gottes. Lebensbild und Zeugnisse, Komitee „Freunde von Pfarrer Heinrich“ 2012, Seite 116 ff.