CLICK - Textgestalt und Bemerkungen zu seinen Predigten

CLICK - Ein guter Rat - lesen Sie doch auch die Predigt
zu seinem 60. Priesterjubiläum am 29. Juni 1997 in Montal - 
ein Weg von der Schulbank zur Weisheit des Lebens!
 

Das Vaterunser des Primizianten
Primizfeier in Montal, 4. Juli 1937

 

Freude: Heimatgemeinde (Ehre – Segen); Familie (einer aus ihrer Mitte steht mit hohem, übernatürlichem Band bekleidet vor uns); Primiziant (das herrliche Ziel, das er aus Kindheit angestrebt, ist erreicht).

Diese edle, heilige Freude sammelt sich wie in einem Brennpunkt um die Feier der ersten heiligen Messe: Ja, das ist das höchste, was der Primiziant erreicht hat, dass er von jetzt ab tagtäglich das heilige Messopfer darbringen darf. So sollen wir auch die Gedanken der Primizpredigt dem Primizamt entnehmen, das der neugeweihte Priester feiern wird. Beim heiligen Amte sind es zwei Gebete, die der Priester in ganz feierlicher Weise singt: Das eine das Vorbereitungsgebet auf die Wandlung, die Präfation, das andere das Vorbereitungsgebet auf die heilige Kommunion, das Paternoster, das Vaterunser. Bei diesem Letzteren wollen wir stehenbleiben, und der Gegenstand unserer Betrachtung soll sein das Vaterunser des Primizianten.

Anrede: „Vater“: Gott (allmächtig, allgegenwärtig, Heiligkeit, Gerechtigkeit): heilige Schauer und Furcht. – Vater: Vertrauen, Dankbarkeit, Liebe. – Auf dem Schoß der Mutter: Himmelsvater; immer besser kennengelernt: die Güte und Liebe, selbst Freundschaft erfahren. – Heute am meisten: Dankbarkeit, Liebe, Vertrauen. – Andere lehren und Vertrauen zum Vater im Himmel einpflanzen.

„Unser“. „Mein“ Vater bloß Jesus. – Kinder des nämlichen Vaters, also Brüder und Schwestern. – Auch der Priester betet so; Mittler zwischen Gott und den Menschen; aber er soll nicht vergessen, dass er von den Menschen genommen ist; er geht aus dem Volk hervor und soll mit ihm immer eng verbunden sein. – Andere lehren: Das große Gebot der Liebe, ein Hauptinhalt der Predigt.

„Der Du bist im Himmel“: Gott überall gegenwärtig; doch nicht in der gleichen Weise (in der vernunftlosen Natur, im Menschen, der die heiligmachende Gnade hat); im himmlischen Schauen in die Engel und Heiligen. – Zum Vater in den Himmel kommen ist das Ziel unseres Lebens; auch das Ziel des Priesters; für sich selbst verlangt er nur eines: in den Himmel zu kommen. – Das ist die hohe Aufgabe des Priesters: Die ihm Anvertrauten in den Himmel zu führen.

I. Bitte: „Name“: Die erste Aufgabe aller Geschöpfe ist die Verherrlichung Gottes (die vernunftlose Natur, die Menschen mit Bewusstsein und freiem Willen, die Engel, sogar die verworfenen Geister und Menschen). – Vor allem besteht diese Verpflichtung für den Priester: Seine wichtigste Aufgabe ist, Gott zu verherrlichen: Gebet (Breviergebet); heilige Messe (durch nichts wird Gott so verherrlicht, weil es hier sein göttlicher Segen selber ist, der ihn verherrlicht); durch ein frommes, vorbildliches Leben. – Was der Priester selbst tut zur Verherrlichung Gottes, dazu erzieht er auch andere, Kinder und Erwachsene: Wichtigkeit des Gebets, unermesslicher Wert des heiligen Messopfers; Notwendigkeit der Verherrlichung Gottes durch ein frommes, wahrhaft christliches Leben.

II. Bitte: „Reich“: In dreifachem Sinn: Das sichtbare Reich (Kirche), das unsichtbare Reich Gottes in jeder Menschenseele, das Reich Gottes im Himmel.

1.      Des Priesters Aufgabe ist es, das Reich Gottes in dem Wirkungskreise, in den er gestellt wird, zu erhalten, zu festigen und womöglich zu erweitern, und zu beten; dabei wird er die großen Anliegen der gesamten Kirche nicht übersehen, besonders seine liebende Sorgfalt den Missionen widmen.

2.      Das Reich Gottes in uns: Am meisten wirkt der Priester für das Reich Gottes, wenn er besorgt ist, dass in seinem Herzen das Reich Gottes tiefe Wurzeln schlage; sein vorbildliches Beispiel wirkt mehr, als Worte es vermögen, und er zieht auf sein großes apostolisches Arbeiten den Segen Gottes herab. – Dabei richtet er das Reich Gottes in den Herzen der Einzelnen auf oder befestigt es: Durch die Taufe und die heiligen Sakramente; durch Unterricht der Kinder in den Wahrheiten der Kirche, durch Predigt und Christenlehre in den Herzen der Gläubigen. –

3.      Das Reich Gottes im Himmel: Durch sein apostolisches Leben und Wirken verdient sich der Priester selbst eine höhere Seligkeit des Himmels („die andere in der Gerechtigkeit unterweisen, werden glänzen wie die Sterne am Himmel“); er verhilft aber auch anderen zur Seligkeit des Himmels. Und so bewirkt der Priester, dass auch das Reich des Himmels zu möglichst vielen kommt.

III. Bitte: „Dein Wille geschehe wie im Himmel so auch auf Erden“. 

1.      Positiv: Als das Wichtigste ist dem Heiland in seinem irdischen Leben erschienen, den Willen Gottes zu tun: „Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat.“ – So ist es auch für den Priester das Wichtigste, den Willen Gottes immer und in allen Lebenslagen zu tun: Der Wille Gottes tut sich dem Priester wie allen Gläubigen kund in den Geboten Gottes und der Kirche. Ganz besonders und bis ins Einzelne tut sich ihm der Wille Gottes kund in den Befehlen seiner Vorgesetzten: [Randnotiz: Besonders die Gebote, eine Art Gelübde, Gelöbnis des Gehorsams] a) Bevor er die heilige Weihe empfangen hat, hat er vor dem Bischof oder seinem Stellvertreter einen Eid abgelegt, dass er auf das Geflissentlichste den Vorschriften seiner Vorgesetzten folgen wolle; b) und nach Empfangen der heiligen Priesterweihe hat er in feierlicher Weise dem Bischof für sein ganzes Leben den Gehorsam gelobt. –

2.      Negativ: Soll an uns der Wille Gottes geschehen, indem wir alles Unangenehme, alle Fügungen und Schickungen Gottes willig annehmen. – Der Heiland am Ölberge: „Vater, nicht mein Wille geschehe, sondern der Deine.“ – So muss auch der Priester beten, wenn er Enttäuschungen erlebt, wenn er meint, sein Wirken sei fruchtlos und vergebens, wenn er verlockt wird, wenn Leiden aller Art über ihn kommen: „Vater, Dein Wille geschehe!“

„Wie im Himmel“: Da ist nicht so sehr gemeint: So fromm, wie die Engel und Heiligen im Himmel Gottes Willen erfüllen [Randnotiz: Freilich wollen wir es auch gerne und freudig tun.]; das wäre sogar unmöglich. – Es ist in einem anderen Sinn zu verstehen, wie der römische Katechismus es uns ausdrücklich lehrt: Es gibt Menschen, die einen fremden Willen erfüllen nur wegen des Lohnes, den sie dafür erhalten. Diese Gefahr besteht auch für uns, dass wir Gottes Willen nur deshalb erfüllen, weil wir Lohn dafür erwarten oder Strafe fürchten. Dieser Gehorsam ist unvollkommen: Die Engel und Heiligen im Himmel erfüllen Gottes Willen nicht in Erwartung eines Lohnes, sie werden für das, was sie im Himmel tun, nicht mehr belohnt, und sie sind auch nicht mehr einer Strafe fähig: Sie tun den Willen Gottes einzig und allein aus Liebe und Hochschätzung zum unendlich großen Herrn, dem sie dienen. So wollen auch wir im Dienste Gottes nicht so sehr auf Lohn und Strafe schauen, sondern wollen uns von der Liebe Gottes leiten lassen.


Der mächtige Kirchturm von Montal, dem kleinen Dorf am Eingang ins Gadertal.
Im letzten Haus dorthin war der Primizian daheim - sein Vater war der Zöllner!

IV. Bitte: „Brot“. Auch der Priester betet um das tägliche Brot, wenn ihm auch meistens die Sorge um dasselbe abgenommen ist, damit er unbehindert von der Brotsorge seinem Berufe nachgehen kann. Umso mehr gilt dann sein Gebet allen jenen, die mit ihrer Hände Arbeit das tägliche Brot verdienen. Und jeder Bauer und jeder christliche Arbeiter weiß, dass an Gottes Segen alles gelegen ist. – Unter Brot ist aber nicht bloß das leibliche Brot gemeint, sondern auch die Nahrung der Seele, das ist das Brot Gottes, wie der Heiland gesagt hat: „Der Mensch lebt nicht allein vom Brote, sondern von jedem Worte, das aus dem Munde Gottes kommt.“ In diesem Sinn ist der Priester geradezu der Brotvater, der das Brot des Wortes Gottes seiner Familie, den Kleinen im Religionsunterricht und den Erwachsenen in Predigt und Christenlehre, bricht. – Er ist es auch, der den Gläubigen die vornehmste Seelenspeise in der heiligen Kommunion reicht, „das lebendige Brot, das vom Himmel herabgestiegen ist“. Wie glücklich ist der Priester, dass er von jetzt ab Tag für Tag sich mit diesem Himmelsbrote stärken kann, wie glücklich seid aber Ihr, die Ihr ebenfalls täglich dieses Himmelsbrot aus der Hand des Priesters empfangen könnt.

V. Bitte: „Schulden“: Auch der Priester muss die Schuldbitte beten, auch er ist ein Sünder. Nicht bloß zum Schein, sondern mit allem Ernst bekennt er zu Beginn jeder heiligen Messe: „Meine Schuld - -“. Er weiß aber, dass er nur dann Verzeihung erlangt, wenn er auch  seinen Beleidigern verzeiht. Und er hat oft Gelegenheit zu verzeihen, nicht bloß, wenn ihm aus Versehen und menschlicher Schwäche Unrecht geschieht, sondern auch dann, wenn die Beleidigung aus Bosheit hervorgehen sollte. – Des Priesters großes Vorrecht ist es aber, anderen im Namen Gottes die Schulden zu vergeben, im Bußsakramente. Wenn der Priester keine andere Vollmacht hätte als die, die Sünden nachzulassen, dann müsste man ihn schon deswegen als den größten Wohltäter der Menschheit bezeichnen. Freilich kann auch der Priester nur solchen die Sünden nachlassen, die den Mitmenschen von Herzen verzeihen.

VI. Bitte: „Versuchung“: Wie sich die 5. Bitte auf die Vergangenheit, auf begangene Sünden bezieht, so ist die 6. Bitte der Zukunft zugewendet. – Auch im Priesterleben kommen Versuchungen: Er lebt mitten in der Welt mit ihrer Augenlust, Fleischeslust und Hoffart des Lebens. Und der böse Feind, der umhergeht wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen könnte, hat es besonders auf den Priester abgesehen. Und so betet auch der Priester: „Führe uns nicht in Versuchung“, lass mich in der Versuchung nicht fallen. Und wenn wir einmal sehen, dass auch ein Priester fällt, so wollen wir nicht gleich den Stab über ihn brechen, sondern uns denken: Er ist auch ein schwacher Mensch, der in Versuchung fallen kann. Da sieht man so recht deutlich, wie im Priester Göttliches und Menschliches eng beisammen sind: Er kann anderen Halt und Stütze bieten in unseren Versuchungen, und er kann selber in den gleichen Versuchungen zu Fall kommen.

VII. Bitte: „Übel“: Der römische Katechismus sagt, diese Schlussbitte sei „sozusagen eine Zusammenfassung aller anderen“. Das war die große Bitte, mit der sich der Heiland vor seinem Scheiden aus diesem Leben für die Seinen im Gebete an den himmlischen Vater wandte: „Ich bitte, behüte sie vor dem Übel“ (Jo 17,15). Der Bitte darin um Abwendung, um Befreiung von all dem, was für uns ein wirkliches Übel ist, sei es in zeitlicher Hinsicht, vor allem aber in Bezug auf unser Seelenheil. Erst auf dem Sterbebett wird der Priester die fällige Erfüllung dieser letzten Bitten an sich erfahren: In einem seligen Priestertode; der erlöst ihn von gar allen Übeln, auch von dem großen Übel, sündigen zu können. Bis dorthin wird er aber gar manchen Sterbenden zur Erfüllung dieser Bitten verhelfen, indem er ihnen einen seligen Tod vermittelt, der gleichsam das „Amen“ eines mühevollen Menschenlebens ist.